Maschinensicherheit – Sicherheitsvorschriften für den US-amerikanischen Markt

In unserem letzten Newsletter vom November haben Sie erfahren, ob für den Export einer Maschine in die USA eine Risikobeurteilung erstellt werden muss.

Wir möchten an dieses Thema anknüpfen und Ihnen am Beispiel USA Antworten geben, ob mit der Erfüllung der
EG-Maschinenrichtlinie die Import- und Sicherheitsvorschriften in Drittländern abgedeckt sind.

Zunächst gehen wir allgemein auf die Rechts- und Normensituationen in den USA ein.

Rechte und Normen in den USA

Die CE-Kennzeichnung ist eine europäische Anforderungen und hat in den USA keine Relevanz. Die CE-Kennzeichnung wird nur innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums (EWR) anerkannt. Außerhalb des EWR gelten eigene länderspezifische Anforderungen. In den USA gilt ein Mix aus Produktstandards, Brandschutzvorschriften, elektrischen Richtlinien und nationalen Gesetzen. Die Einhaltung der Anforderungen wird hoheitlich durch lokale Regierungsstellen überwacht.

Lokale Inspektoren bewerten die elektrotechnische Sicherheit, Brandschutzmaßnahmen und die realisierten Sicherheitsmaßnahmen der Maschine. Wird die Maschine dann als sicher bewertet, darf diese in Betrieb genommen werden.

Nachfolgend sehen Sie die wichtigsten Unterschiede zwischen dem EU- und dem USA-Rechtssystem bezüglich des Themas Maschinensicherheit gegenübergestellt.

EU USA
  • Die Maschinenrichtlinie (MRL) ermöglicht dem Hersteller eine eigene EU-Konformitätserklärung abzugeben und damit die Konformität der Maschine
    mit der MRL zu bestätigen.
  • Die Richtlinien werden von der europäischen Kommission festgelegt.
    Für die Überprüfung sind die einzelstaatlichen Behörden verantwortlich.
  • Einhaltung von Normen ist grundsätzlich freiwillig.
  • Europäische Gesetze sind für alle Mitgliedsstaaten auf gleicher Ebene harmonisiert.
  • Die Fremdzertifizierung findet durch unabhängige Sachverstände statt.
  • Die erforderlichen Maßnahmen sind von der Art des Produkts und der entsprechend zuständigen Bundesbehörde abhängig.
  • Die verschiedenen Bundesbehörden sind für die Festlegung der
    Produktsicherheitsrichtlinien und die Überprüfung der Einhaltung zuständig.
  • Produktrichtlinien basieren auf nationalen Gesetzen.
  • Einhaltung von Normen kann verpflichtend sein.
  • Gesetze legen großen Wert auf die allgemeine Pflicht zur Warnung vor Produktrisiken.

Eine wichtige Organisation in den USA ist die Occupational Safety and Health Administration (OSHA). Die OSHA regelt die Bereitstellung eines sicheren und gesunden Arbeitsplatzes und fordert die Einhaltung technischer Standards und Zulassungsverfahren.

Ebenfalls wichtig ist der National Electrical Code (NEC). Dieser beinhaltet Errichtungsvorschriften für elektrische Anlagen und ist vergleichbar mit der deutschen Normenreihe DIN VDE 0100.

Die Festlegungen von Bestimmungen und Anforderungen an die Produktsicherheit obliegt in den USA verschiedenen Bundesbehörden, sogenannten federal agencies. Die jeweils zuständige Bundesbehörde stellt dann Vorschriften und Regeln für den Bereich auf.

Beispiele für federal agencies:

  • Consumer Product Safety Commission
  • Federal Trade Commission
  • National Highway Traffic Safety Administration

Produkthaftung in den USA

Jeder US-amerikanische Bundesstaat stellt seine eigenen Gesetze auf. Eine einheitliche Gesetzgebung gibt es nicht. Hinsichtlich der Produkthaftung herrscht der Grundsatz der strikten Haftung. Das heißt: Ist ein Produkt defekt, handelt es sich um Fahrlässigkeit oder Betrug ungeachtet dessen, ob eine fahrlässige Handlung des Herstellers vorliegt. Hier fokussiert man sich also auf das Verhalten des Herstellers und nicht auf den Defekt an sich.

Kommt es zu einem Haftungsfall wird das fehlerhafte Produkt eingestuft. Ein Produkt gilt als fehlerhaft oder defekt, wenn einer der folgenden Fehler vorliegt:

  • Herstellungsfehler
  • Entwurfsfehler
  • Warnungs-/Instruktionsfehler

Auf das Thema Warnungs-/Instruktionsfehler möchten wir an dieser Stelle noch einmal genauer eingehen. Wenn Warnungen oder Instruktionen fehlen, liegt grundsätzlich ein fehlerhaftes Produkt vor. Eine unzureichende Warnung oder Anleitung ist immer dann vorhanden, wenn der Hersteller die Gefahr durch plausible diesbezügliche Warnungen oder Anleitungen hätte einschränken oder vermeiden können. Durch Fehlen solcher Warnungen und Anleitungen ist die Sicherheit des Produkts nicht mehr garantiert. Normen, die für sichere Anleitungen herangezogen werden können, sind die IEC 82079-1 Preparation of instructions for use und ISO/IEC Guide 37:2012 Instructions for use of products by consumers. Gerade in den USA hat das Aussprechen von Warnungen und Anleitungen große Bedeutung. Deswegen wurde eine spezielle Normen bezüglich Inhalt, Ort und Präsentation von Warnungen entwickelt, die ANSI Z535.6 American National Standard for Product Safety Information in Product Manuals, Instructions, and Other Collateral Materials.

8-Schritte für eine US-konforme Dokumentation

Die folgenden Schritte helfen Ihnen dabei, die Dokumentation für Ihr Produkt mit den US-Normen, Gesetzen und Anforderungen in Einklang zu bringen:

  1. Für das Produkt geltende Gesetze und Bestimmungen ermitteln.
  2. Für das Produkt zuständige Bundesbehörden identifizieren.
  3. Feststellen, welche Normen für das Produkt verbindlich sind.
  4. Feststellen, welche Normen für das Produkt freiwillig sind.
  5. Spezifische Anforderungen an die Anleitung identifizieren.
  6. Harmonisierte Normen für die Anleitung identifizieren (z. B. ANSI Z535.6).
  7. Produktspezifische Anforderungen aus den freiwilligen und verbindlichen Normen verifizieren.
  8. Anleitung, Dokumentation auf Basis der entsprechenden Anforderungen erstellen.

In unserem nächsten Newsletter möchten wir dieses Thema fortsetzen und Ihnen eine Übersicht über die wichtigsten Organisationen in den USA hinsichtlich der Anforderungen an die Maschinensicherheit geben.